Letztes Mittel: Operation | Zu Tisch mit Tschanz

Updated: 7 days ago

Jeder Sportler hat in seinem Leben mit Verletzungen, kleineren, sowie grösseren zu kämpfen. Muskelverspannungen, Verhärtungen, Entzündungen sind nur ein Bruchteil der Liste von Sport-Beschwerden. Wenn jegliche Therapien, Übungen und Mühen nicht mehr helfen, kann der Sportler als letzte Möglichkeit noch zu einer Operation greifen. Danach beginnt für ihn ein Leidensweg. Kann er gestärkt von einer Verletzung zurückkommen?





In den vergangenen zwei bis drei Jahren hatte ich vermehrt Schmerzen im Rücken und Hüftbereich. Durch mein physisches Tischtennisspiel habe ich es noch viel mehr gespürt. Tägliche Dehneinheiten, Kräftigungsübungen, Physio-Besuche, Akkupunktur und so weiter haben mein Leiden angenehmer gemacht und mich auf einem hohen Leistungsniveau gehalten, aber besser wurde es mit den Schmerzen nicht besser – mit der Zeit sogar schlimmer. Deshalb habe ich mit meinem Team beschlossen, während der Corona-bedingten Pause meine rechte Hüfte zu operieren.



Bei meinem gemischten Hüftimpingment wurde der Knochen abgeschliffen und die gerissene Gelenkslippe verankert. Im Dezember 2020 wurde ich operiert. Nach der OP war ich zwei Wochen im Bett und weitere zwei bis drei Wochen mit Krücken unterwegs. Ab der zweiten Woche konnte ich in die Physiotherapie. Physio, Stabilität und Kräftigungsübungen haben meinen Alltag geprägt. Nach knapp zwei Monaten ging es in die Hypertrophie-Phase und nach etwa drei Monaten arbeitete ich schon wieder im Maximalkraft-Bereich. Dann konnte ich wieder leicht mit dem Tischtennistraining beginnen. Im vierten Monat war wieder die Schnellkraft auf dem Programm und dann begann die 18-wöchige Spitzensport RS, bei der vor allem mein Tischtennisaufbau im Fokus lag.




Während meiner Verletzung habe ich zudem viel im psychologischen Bereich gearbeitet, vor allem an den Themen «Mindfulness» und Meditation. Am Ende bin ich besser, erfahrener und gestärkt von der Verletzung zurückgekommen. Das Beweisen meine letzten Resultate gegen Gegner, die ich noch nie zuvor geschlagen habe.



Ich habe gelernt, dass ich nicht mehr einfach einem gewissen Programm folge, sondern auf meinen Körper höre. Die goldene Frage: Was brauche ich? Das muss ich in jedem Moment wissen. Wenn ich mich in mich hineinversetzte, komme ich auf die richtige Lösung.



Doch das Wichtigste im ganzen Prozess waren die Geduld und die positive Einstellung, jeden Tag Schritt für Schritt weiterzukommen. Ich habe mir klargemacht, dass ich die «verlorene» Zeit ohne Probleme nachholen kann. Zum Schluss wurde mir bewusst, dass ich mich trotz der Verletzung in so vielen anderen Bereichen verbessert habe und dass ich als Sportler, sowie als Mensch Fortschritte erzielen konnte. Von verlorener Zeit kann man deshalb nicht sprechen.



Die Kolumne ist am 30.09 2021 in der Volksstimme - Die Zeitung für das Oberbaselbiet erschienen.


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